Kardinal-Frings-Gymnasium

Karren für den "Kohlenklau" 

 

Neuanfang 1945

 

Ein fast vergessenes Thema der Königswinterer Nachkriegsgeschichte

 

Schon kurz nach Kriegsende 1945 wurden in Königswinter stabile Handkarren auf der Basis von ehemaligem Rüstungsmaterial hergestellt.

Entscheidend für die Produktion bzw. das Produkt war ein größerer Lagerbestand an Scheibenrädern (für Kettenlaufwerke gepanzerter Gefechtsfahrzeuge, z.B. Sd. KFZ. 251), die ein örtlicher Industriebetrieb während des Krieges hergestellt hatte. Diese stabilen Räder waren dort nach Kriegsende noch in größerer Stückzahl und in den unterschiedlichsten Fertigungsstufen vorhanden und wurden entsprechend der neuen Verwendung modifiziert. Es kommen auch Karren vor, deren Räder von im Kampfgelände des Siebengebirges zerstõrten Halbkettenfahrzeugen stammen. Das im Königswinterer Volksmund als "PANZERKARRE" ( man wußte, wozu die Räder hergestellt worden waren ) oder aber auch "de Lemmerz Kar" bezeichnete Vehikel avancierte schnell zum begehrten und unverzichtbaren Alroundtransportmittel. Die ersten Exemplare wurden bei dem Hersteller der Räder in dessen Lehrwerkstatt produziert. In der Folgezeit griffen auch viele Schlossereien und Privatpersonen aus der Umgebung auf den Bestand dieser "Panzerräder" zu, um ebenfalls das begehrte Transportgerät herzustellen. Nachdem die Bestände aus der Kriegsproduktion verbraucht waren, ersetzte man diese in einem Betrieb (MATRO - Fahrzeugbau, Martin Trommeschläger, Oberdollendorf, der eigens für die Herstellung von Anhängern und Handkarren("MATROKARRE") gegründet worden war) durch Speichenräder gleicher Größe aus U-Profilstahl. Nach der Währungsreform wurde die Produktion dort ebenfalls eingestellt.

 

Die wichtigste Aufgabe der stabilen Handkarren war der (nicht immer legale) Holztransport aus den Wäldern des Siebengebirges und der "Kohlenklau" an der Eisenbahnstrecke zwischen Dollendorf und Oberkassel/Beuel zur Deckung des Brennstoffbedarfs der Haushalte (Hölzerne Leiterwagen hielten der Beanspruchung nicht lange stand).

Einstmals begehrt, werden diese Karren heute kaum noch benutzt. Als zu schwer und unhandlich empfunden, rosten sie oftmals in Schrebergärten vor sich hin und werden im Rahmen von Aufräumaktionen verschrottet.

Doch die Geschichte dieser Karren, die Geschichten, die mit ihrer Nutzung verbunden sind und auch ein paar "Musterexemplare" sollten erhalten bleiben!

Dazu suche ich jede verfügbare Information:

Wer waren die Hersteller (Schlossereien und Privatleute)?

Wie und wo wurde das notwendige Material für Rahmen und Deichsel beschafft? Was mußte in Reichsmark oder in Naturalien bezahlt werden?

Die Nutzung damals und Heute (was wurde alles transportiert bzw. wozu wurde die Karre verwendet?)  bei Familien, Firmen, Feuerwehren, Vereinen ect. ist von Interesse.

Für welche anderen Zwecke wurden diese Räder noch verwendet?

 

Das Ziel des Projektes ist:

 

- eine Bestandsaufnahme noch vorhandener Handkarren durchzuführen

  Bitte um Hinweise!

- eine Fotodokumentation zu erstellen - Fotos, alte und neue, auch von Nutzungen

   wie Karneval, Vatertag u.s.w 

- die Hintergründe der Produktion zu dokumentieren (Preise, Materialbeschaffung,

  "Maggeln")

- Geschichten und "Abenteuer" im Zusammenhang mit dem Gebrauch der Karren

  zusammen zu tragen.    (Wann, wer, wie, wo, und was wurde alles transportiert?)

- Eine Ausstellung durchzuführen

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